Joggen macht erfinderisch

Heute morgen stehen Anita und ich früh auf, essen ein kleines Frühstück und fahren dann nach Maur am Greifensee. 18 Km und 2 Stunden 40 Minuten später kommen wir ziemlich kaputt wieder am Parkplatz an: Die Joggingrunde war herrlich, in traumhafter Landschaft bei wunderbarem Wetter, aber ging schon in die Muskeln und Knochen. Wieder zu Hause, nach einem Bad und einer scharfen Kokos-Gemüsesuppe kehren meine Lebensgeister zurück. Ich spiele etwas mit meinen Planktonkulturen rum und da habe ich zwei Einfälle. Mein Fleisch ist zwar müde aber der Geist noch wach.

Mein erster Einfall basiert auf der Beobachtung, dass die bestlaufende Nannochloropsis Salina Kultur, diejenige im Garnelenbecken ist. Das Wasser ist tiefgrün und die Garnelen sind kaum zu sehen. Am Licht wird es kaum liegen, es ist ein einfaches LED-Lechtchen über dem Becken. Am Nitrat- und Phosphatgehalt könnte es liegen, denn ich füttere die Garnelen mit Flockenfutter und deren Verdauungsendprodukte sind wohl kleine Nitrat- und Phosphatbomben. Mit der Pipette sauge ich etwas Kot aus dem Becken und betrachte es unter dem Mikroskop: Da sind viele Nannochloropsis Salina zu sehen aber keinerlei Zooplankton. Könnte es denn sein, dass die Garnelen das Zooplankton fressen und somit die Kultur sauber halten? Das wäre nun der Kern meiner Idee: Um Phytoplankton zu züchten, setzte man ein Tier in den Reaktor, welches zwar kein oder nur wenig Phytoplankton frisst aber sich von Zooplankton ernährt. Zum Testen nehme ich mit der Hand eine Garnele aus dem Becken und setze sie in einen Phytoreaktor, den ich gestern frisch angesetzt habe. Mal sehen, ob da die Garnele auch für tiefgrünes Wasser ohne Zooplankton sorgen kann.

Die zweite Idee bezieht sich auf die Schwierigkeit als Planktonzüchteranfänger den Zustand der Kultur an ihrer Farbe abzulesen. Je nach Licht erscheint das Wasser mal gelb, mal braun oder eben schön grün. Warum nicht eine wasserfeste Nannochloropsis Salina Farbtafel kreieren ähnlich denen in den Wassertests? Ein Massenprodukt wird das wohl nicht werden, aber ein paar Dutzend Stück könnte ich wohl schon absetzen, überlege ich. Produktionskosten unter 1 aber Verkaufspreis bei 20: Werde da mal einen Mini-Businessplan aufstellen…

Auf Ricardo erstehe ich ein zusätzliches Objektiv für mein Mikroskop. Es ist etwas ganz feines: Ein 40 fach Zeiss Planapochromat für Ölimmersion. Wie sich nach dem Kauf herausstellt, erstehe ich das Objektiv von einem Uni-Professor für Biologie. Ich hoffe, dass ich mich dieses Spitzenobjektiv, welches neu etwa 1900 CHF kosten würde, als würdig erweise.


Zwei Vorratsdosen aus dem Jelmoli als weitere Fenstersims-Planktonreaktoren


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Das Glas für 15.90 CHF ist optisch recht klar und der Deckel schliesst gut


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In der IKEA-Zuckerdose tummeln sich die Tiggerpods


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Das schönste Grün der Nannochloropsis Salina erreiche ich im Garnelenbecken; liegt es am Licht, dem Dünger oder an den Garnelen?


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Diese Zoo-/Phytoplanktonkultur ist sehr gelblich, wohl zu wenig Dünger


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Perfektes Grün am Boden des weissen Eimers


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Ich untersuche Garnelenkot nach Zooplankton, kann aber keines finden; ist das der Schlüssel für eine neue Erfindung?


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Auch bei starker Vergrösserung ist in der "Garnelenwurst" nur Zooplankton zu finden; eine meiner ersten Aufnahmen mit dem Zeiss Planapo


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Als Hommage an meinen lärmempfindlichen ehemaligen Nachbarn unter mir, nenne ich die Pioniergarnele "Carmelo"


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"Planapo 40/1.0 Öl 160; das beste Objektiv, welches Zeiss ja gebaut hat", sic!


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Die Migros Bio Watterondellen sind richtig praktisch beim Mikroskopieren: Irgendwas nasses oder öliges geht da immer daneben


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